
Ein Future ist ein standardisierter Terminkontrakt, der an einer Terminbörse gehandelt wird. Anders als eine Aktie folgt er festen Regeln, die die Börse für jeden Kontrakt vorgibt. Diese Regeln bestimmen, wie viel Geld hinter jeder Preisbewegung steckt, wie viel Sicherheit hinterlegt werden muss und wann der Kontrakt ausläuft. Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Begriffe am Beispiel von ES und NQ, den Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq 100.
Die Kontraktspezifikationen
Für den Handel sind vor allem die Kontraktspezifikationen entscheidend. Sie sind beim Broker oder direkt bei der Börse einsehbar, für die CME auf cmegroup.com.
| Spezifikation | Bedeutung |
|---|---|
| Tickgröße und Tickwert | Kleinste Preisbewegung und ihr Gegenwert in US-Dollar |
| Margin-Anforderungen | Sicherheitsleistung, die pro Kontrakt hinterlegt werden muss |
| Laufzeiten | Zeitpunkt, an dem der Kontrakt ausläuft |
Tick und Punkt
Der Tick ist der kleinste Schritt, um den sich der Preis eines Kontrakts verändern darf. Die Börse legt ihn für jeden Kontrakt fest. Beim ES und beim NQ beträgt er 0,25 Punkte. Der Preis kann also von 6.012,25 auf 6.012,50 springen, aber nie auf 6.012,30.
Ein Punkt ist eine Bewegung um eine ganze Zahl im Preis. Steigt der ES von 6.012,00 auf 6.013,00, hat er sich um einen Punkt bewegt. Bei einer Tickgröße von 0,25 stecken in diesem Punkt genau vier Ticks.
Tick und Punkt
Vier Ticks ergeben einen Punkt
Andere Kontrakte haben eigene Tickgrößen. Gold handelt zum Beispiel in Schritten von 0,10 US-Dollar je Feinunze. Deshalb lohnt vor jedem neuen Markt ein Blick in die Spezifikationen.
Nominalwert, Punktwert und Tickwert
Wie viel Geld hinter einer Bewegung steckt, hängt vom Multiplikator ab, den die Börse für jeden Kontrakt festlegt.
Der Punktwert ist dieser Multiplikator in US-Dollar. Beim ES sind es 50 US-Dollar, beim NQ 20 US-Dollar. Bewegt sich der NQ um 10 Punkte, ändert sich der Wert einer Position mit einem Kontrakt also um 200 US-Dollar.
Der Nominalwert zeigt, wie viel Basiswert ein einzelner Kontrakt bewegt. Er ergibt sich aus Preis mal Punktwert. Ein NQ-Kontrakt bei einem Stand von 21.000 Punkten steht für 21.000 × 20 = 420.000 US-Dollar Nasdaq 100.
Der Tickwert ist der Geldbetrag je Tick und Kontrakt, also die kleinste Einheit, in der Gewinn und Verlust entstehen. Er ergibt sich aus Tickgröße mal Punktwert.
Punktwert im NQ: 20 USD
Zwei Rechnungen mit demselben Multiplikator
Nominalwert · NQ
21.000 × 20 USD
= 420.000 USD
Indexstand × Punktwert: so viel Nasdaq 100 bewegt ein Kontrakt.
Tickwert · NQ
0,25 × 20 USD
= 5 USD
Tickgröße × Punktwert: die kleinste Einheit für Gewinn und Verlust.
| Kontrakt | Tickgröße | Punktwert | Tickwert |
|---|---|---|---|
| ES | 0,25 Punkte | 50 USD | 12,50 USD |
| NQ | 0,25 Punkte | 20 USD | 5,00 USD |
Margin und Hebel
Die Margin ist eine Sicherheitsleistung. Der Broker reserviert sie bei Eröffnung einer Position auf dem Handelskonto, um sich gegen Verluste abzusichern. Ihre Höhe wird von der Börse und vom Broker festgelegt und ist beim Broker einsehbar.
Hinterlegt wird nur die Margin, bewegt wird jedoch der volle Nominalwert. Daraus entsteht ein Hebel: Mit einem NQ-Kontrakt wird ein Nominalwert von über 400.000 US-Dollar bewegt, obwohl nur ein Bruchteil davon als Margin hinterlegt ist. Der Hebel wirkt in beide Richtungen und erzeugt ein zusätzliches Verlustrisiko. Was mit den Margins geschieht, wenn die Märkte unter Stress geraten, erklärt der Beitrag Margin und Deleveraging.
Risiko pro Trade
Weil der Tickwert feststeht, lässt sich das Risiko jedes Trades vorab genau berechnen. Benötigt werden nur die Anzahl der Ticks bis zum Stop, der Tickwert und die Anzahl der Kontrakte.
Risiko = Ticks bis zum Stop × Tickwert × Kontrakte
Ein Trade im ES mit einem Stop von 8 Ticks und einem Kontrakt riskiert also 8 × 12,50 × 1 = 100 US-Dollar. Der mögliche Gewinn bis zum Take Profit wird auf dieselbe Weise berechnet. Diese Rechnung steht vor jedem Trade.
Laufzeit, Verfall und Rollover
Ein Future ist kein Dauerprodukt wie eine Aktie. Jeder Kontrakt hat einen Kontraktmonat, und an dessen Ende läuft er aus.
Index-Futures wie ES und NQ gibt es für die Monate März, Juni, September und Dezember. Die Kürzel für diese Monate sind H, M, U und Z, dazu kommt die letzte Ziffer des Jahres. Der Dezember-Kontrakt 2026 im NQ heißt deshalb NQZ6.
Die Index-Futures verfallen am dritten Freitag ihres Kontraktmonats. Sie werden nicht geliefert, sondern in bar abgerechnet. Wer eine Position bis dahin hält, bekommt den Unterschied zum Abrechnungspreis gutgeschrieben oder belastet.
| Beispiel NQ Dezember 2026 | |
|---|---|
| Kürzel | NQZ6 |
| Verfall | Freitag, 18. Dezember 2026, dritter Freitag im Dezember |
| Danach aktiv | NQH7, der März-Kontrakt 2027 |
Schon etwa eine Woche vor dem Verfall wandert das Handelsvolumen in den nächsten Kontrakt. Diesen Wechsel nennt man Rollover. Ab diesem Zeitpunkt wechseln auch Daytrader in den neuen Kontraktmonat.
Laufzeit
Vier Verfallstermine im Jahr
Warum der Front Month gehandelt wird
Es gibt zu jedem Zeitpunkt mehrere Kontraktmonate desselben Futures. Gehandelt wird aber fast ausschließlich der nächstfällige, der Front Month. Auf ihn konzentriert sich nahezu das gesamte Tagesvolumen. Spätere Kontraktmonate werden zwar gehandelt, aber nur in sehr kleinem Umfang. Für einen Daytrader wären sie ein leerer Markt.
Das Volumen im Front Month bringt engere Spreads und damit geringere Kosten, eine schnelle Ausführung auch größerer Orders, weniger Slippage beim Stop und vollständige Orderflow-Daten. In jeder Handelsplattform und auf cmegroup.com lässt sich das Volumen je Kontraktmonat ablesen. Ein Blick in der Rollwoche zeigt gut, wie es innerhalb weniger Tage vom alten in den neuen Kontrakt wandert. Gehandelt wird immer dort, wo das Volumen ist.
Price Limits und Handelsstopps
Damit ein Markt in Paniksituationen nicht ins Bodenlose fällt, hat die CME Sicherungen eingebaut. Für Aktienindex-Futures sind sie mit den Unterbrechungen an der US-Aktienbörse abgestimmt.
| Rückgang des S&P 500 gegenüber dem Vortagesschluss | Folge in der regulären Sitzung |
|---|---|
| 7 Prozent | Handelsunterbrechung für 15 Minuten |
| 13 Prozent | Handelsunterbrechung für 15 Minuten |
| 20 Prozent | Der Handel ruht bis zum Ende der Sitzung |
Die Pausen auf den ersten beiden Stufen greifen nur, wenn die Schwelle vor 15.25 Uhr New Yorker Zeit erreicht wird. Danach wird bei 7 und 13 Prozent weitergehandelt, bei 20 Prozent ruht der Handel immer bis zum Ende der Sitzung.
Price Limits
Drei Stufen der Handelsunterbrechung
Außerhalb der regulären Sitzung gilt für die Index-Futures über Nacht ein festes Band von 7 Prozent nach oben und unten. Am Rand des Bandes darf weiter gehandelt werden, darüber hinaus nicht. Das ist kein Theoriefall: Im März 2020 wurden die Stufen mehrfach innerhalb weniger Tage ausgelöst. Die genauen aktuellen Regeln stehen in den Spezifikationen auf cmegroup.com.
Zusammengefasst
Ein Future ist ein standardisierter Kontrakt mit festen Regeln der Börse. Der Tick ist die kleinste Preisbewegung, beim ES und NQ 0,25 Punkte, und der Tickwert ihr Gegenwert in US-Dollar, beim ES 12,50 und beim NQ 5 US-Dollar. Hinterlegt wird nur die Margin, bewegt wird der volle Nominalwert, daraus entsteht der Hebel. Index-Futures laufen quartalsweise aus, am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember, und werden in bar abgerechnet. Gehandelt wird der Front Month, weil dort das Volumen ist. Warum Futures an einer Terminbörse gehandelt werden, erklärt der Beitrag Börse oder OTC.
Quellen: CME Group, Kontraktspezifikationen E-mini S&P 500 und E-mini Nasdaq-100 sowie Regeln zu Price Limits für Aktienindex-Futures auf cmegroup.com; BECRO Ausbildung, Grundlagen des professionellen Börsenhandels. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken.


