Tickwert und Punktwert bei ES und NQ berechnen
Bevor du einen Trade eingehst, solltest du in Dollar wissen, was er kostet, wenn er nicht aufgeht. Dafür brauchst du zwei Zahlen und eine Multiplikation.

Im Chart siehst du Punkte und Ticks, auf dem Konto siehst du Dollar. Die Brücke zwischen beiden ist schnell erklärt, und trotzdem rechnen viele Einsteiger ihr Risiko falsch oder gar nicht. Dieser Beitrag zeigt dir die vier Begriffe, die du dafür brauchst, die Werte für die wichtigsten Index-Futures und die eine Formel, mit der du vor jedem Trade weißt, was auf dem Spiel steht.
Vier Begriffe, die zusammengehören
- Tickgröße: die kleinste Preisänderung, die ein Kontrakt machen kann. Bei ES und NQ sind das 0,25 Indexpunkte.
- Punktwert: der Betrag in Dollar, um den sich eine Position mit einem Kontrakt verändert, wenn sich der Preis um einen ganzen Punkt bewegt. Die Börse legt ihn als Multiplikator für jeden Kontrakt fest.
- Tickwert: der Betrag in Dollar je Tick und Kontrakt. Er ergibt sich aus Tickgröße mal Punktwert und ist die kleinste Einheit, in der Gewinn und Verlust entstehen.
- Nominalwert: wie viel Basiswert ein Kontrakt tatsächlich bewegt. Er ergibt sich aus dem aktuellen Preis mal Punktwert.
Ein Punkt besteht bei ES und NQ also aus vier Ticks. Wer das einmal verinnerlicht hat, verwechselt die beiden Einheiten nicht mehr, und genau diese Verwechslung ist einer der häufigsten Rechenfehler.
Die Werte für ES, NQ und die Micros

- ES, der E-mini S&P 500: Tickgröße 0,25 Punkte, Punktwert 50 Dollar, Tickwert 12,50 Dollar.
- NQ, der E-mini Nasdaq 100: Tickgröße 0,25 Punkte, Punktwert 20 Dollar, Tickwert 5 Dollar.
- MES, der Micro E-mini S&P 500: ein Zehntel des ES, Punktwert 5 Dollar, Tickwert 1,25 Dollar.
- MNQ, der Micro E-mini Nasdaq 100: ein Zehntel des NQ, Punktwert 2 Dollar, Tickwert 0,50 Dollar.
Auf den ersten Blick wirkt der NQ mit 5 Dollar je Tick günstiger als der ES mit 12,50 Dollar. Das täuscht. Der NQ bewegt sich in Punkten gemessen deutlich weiter als der ES, und so kann ein NQ-Kontrakt in derselben Zeit genauso viel oder mehr Geld bewegen. Vergleiche deshalb nie die Tickwerte allein, sondern immer die Dollarbewegung, die ein typischer Stop bei dir bedeutet.
Nominalwert und Hebel
Der Nominalwert zeigt, wie groß eine Position wirklich ist. Ein Beispiel mit runden, angenommenen Zahlen: Steht der Nasdaq 100 bei 20.000 Punkten, entspricht ein NQ-Kontrakt 20.000 mal 20 Dollar, also 400.000 Dollar Basiswert. Steht der S&P 500 bei 5.000 Punkten, entspricht ein ES-Kontrakt 5.000 mal 50 Dollar, also 250.000 Dollar.
Hinterlegen musst du davon nur die Margin, eine Sicherheitsleistung, die Börse und Broker festlegen und die dein Broker dir anzeigt. Bewegt wird aber der volle Nominalwert. Daraus entsteht der Hebel, und er wirkt in beide Richtungen. Genau deshalb steht die Risikorechnung vor jedem Trade und nicht danach.
Das Risiko pro Trade berechnen
Die Formel ist einfach:
Risiko in Dollar = Ticks bis zum Stop × Tickwert × Anzahl Kontrakte
Ein paar Beispiele:
- ES mit 8 Ticks Stop und einem Kontrakt: 8 × 12,50 Dollar × 1 = 100 Dollar.
- NQ mit 20 Ticks Stop und einem Kontrakt: 20 × 5 Dollar × 1 = 100 Dollar.
- MNQ mit 40 Ticks Stop und drei Kontrakten: 40 × 0,50 Dollar × 3 = 60 Dollar.
Die ersten beiden Beispiele zeigen etwas Wichtiges: Dasselbe Risiko in Dollar bedeutet in ES und NQ einen ganz unterschiedlich weiten Stop. Wer vom ES zum NQ wechselt und seinen gewohnten Stop in Ticks mitnimmt, handelt plötzlich ein völlig anderes Risiko, ohne es zu merken.
Das Kursziel berechnest du auf dieselbe Weise: Ticks bis zum Ziel mal Tickwert mal Kontrakte. Daraus ergibt sich das Verhältnis von Chance zu Risiko, bevor die Order im Markt liegt.
Die Kontraktzahl aus dem Risiko ableiten
Profis gehen den Weg umgekehrt. Sie legen zuerst fest, wie viel ein Trade höchstens kosten darf, und leiten daraus ab, wie viele Kontrakte sie handeln.
Kontrakte = maximales Risiko ÷ (Ticks bis zum Stop × Tickwert)
Darfst du pro Trade 150 Dollar riskieren und liegt dein Stop im ES 10 Ticks entfernt, ergibt das 150 ÷ (10 × 12,50) = 1,2. Gehandelt wird ein Kontrakt, denn es wird immer abgerundet. Wer aufrundet, riskiert mehr, als er sich vorgenommen hat.
Passt nicht einmal ein ganzer Kontrakt in dein Budget, ist das kein Grund, den Stop enger zu setzen, als der Markt es hergibt. Genau dafür gibt es die Micros: Mit MES und MNQ lässt sich dasselbe Setup in feineren Schritten dosieren.
Kurz zusammengefasst
Die Tickgröße ist die kleinste Preisänderung, der Punktwert der Multiplikator in Dollar, der Tickwert das Produkt aus beiden. ES bewegt 12,50 Dollar je Tick, NQ 5 Dollar, die Micros jeweils ein Zehntel davon. Der Nominalwert zeigt, wie groß eine Position wirklich ist, und erklärt den Hebel. Rechne dein Risiko vor jedem Trade aus Ticks, Tickwert und Kontraktzahl, und leite die Kontraktzahl aus deinem Risiko ab, nicht umgekehrt.


