
Jeder Kurs an der Börse entsteht aus genau zwei Orderarten: Limit Orders und Market Orders. Wer ihr Zusammenspiel verstanden hat, versteht, warum sich ein Preis bewegt, warum er an manchen Stellen stehen bleibt und was später im Chart und in den Orderflow-Daten sichtbar wird. Dieser Beitrag erklärt die Orderarten von Grund auf, zeigt, wie ein Preis tatsächlich entsteht, und klärt die Begriffe Bid, Ask und Spread.
Die Börse als Auktion
Die Börse hat eine zentrale Aufgabe: Verkäufer und Käufer zu einem bestimmten Preis zusammenzubringen. Vereinfacht gesagt regelt sie Angebot und Nachfrage. Sind viele Käufer bereit, höhere Preise zu bezahlen, steigt der Preis. Sinkt die Nachfrage, fällt er, bis erneut Käufer bereit sind zu kaufen. Die Börse funktioniert damit wie eine Online-Auktion: Die Auktion startet zum Preis des Verkäufers, und sind Käufer bereit, mehr zu bezahlen, steigt der Preis.
Die sechs Orderarten
Wer eine Order aufgibt, beantwortet immer zwei Fragen: Will ich kaufen oder verkaufen? Und ist mir die sofortige Ausführung wichtiger oder der Preis? Aus den Antworten ergeben sich drei Ordertypen, jeweils als Kauf oder Verkauf.
| Ordertyp | Sicher ist | Offen bleibt | Rolle |
|---|---|---|---|
| Market Buy · Market Sell | Die Ausführung, sofort | Der genaue Preis | Aktiv |
| Limit Buy · Limit Sell | Der Preis oder ein besserer | Ob überhaupt ausgeführt wird | Passiv |
| Buy Stop · Sell Stop | Der Auslösepreis | Der Preis der Ausführung danach | Aktiv ab Auslösung |
Den Kurs bilden am Ende nur Market und Limit Orders. Die Stop Order ist eine Market Order, die erst ab einem bestimmten Preis losgeschickt wird.
Die Limit Order
Mit einer Limit Order legt man fest, zu welchem Preis man höchstens kauft oder mindestens verkauft. Sie funktioniert wie ein Höchstgebot bei einer Online-Auktion: Ausgeführt wird zu diesem Preis oder zu einem besseren, nie zu einem schlechteren.
Ein Beispiel: Jemand möchte eine Aktie für 100 US-Dollar kaufen, sie notiert aber bei 180. Dann passiert nichts, denn jeder Preis über 100 wäre für den Käufer schlechter. Fällt der Kurs auf 100 oder darunter, wird die Order ausgeführt, zu 100 oder günstiger. Umgekehrt beim Verkauf: Soll die Aktie bei 190 verkauft werden und notiert sie bei 180, wird erst bei 190 oder darüber verkauft.
Bei der Limit Order ist der Preis gewiss. Ungewiss ist, ob die gesamte Menge gefüllt wird. Eine sehr große Order über ein Limit wird wahrscheinlich nicht vollständig ausgeführt.
Limit Orders sind im Orderbuch sichtbar. Über dem aktuellen Preis liegen die Limit Sells, also Marktteilnehmer, die zu einem höheren Preis verkaufen wollen. Unter dem aktuellen Preis liegen die Limit Buys, die zu einem niedrigeren Preis kaufen wollen. Wie das Orderbuch an der CME aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Wie das Orderbuch der CME funktioniert.
Die Market Order
Eine Market Order hat nur ein Ziel: jetzt in den Markt oder jetzt aus dem Markt. Sie ist wie der Weg an die Supermarktkasse, man nimmt die Ware zum Preis, der gerade dran steht. Sie ist an keinen Preis gebunden und wird sofort zum besten verfügbaren Preis ausgeführt.
Bei einer Market Order ist die Menge gewiss, sofern sie nicht übermäßig groß ist. Der Preis dagegen ist ungewiss.
Eine Market Order wird immer gegen eine Limit Order ausgeführt. Ist sie größer als das verfügbare Volumen auf dem nächsten Preisniveau, treibt sie den Preis auf das nächste Level, so lange, bis sie vollständig gefüllt ist.
| Preis | Limit Sells im Buch | Was ein Market Buy über 20 Kontrakte auslöst |
|---|---|---|
| 102 | 20 Kontrakte | Bleibt unberührt |
| 101 | 15 Kontrakte | Die restlichen 10 Kontrakte werden hier gefüllt, 5 Limit Sells bleiben liegen |
| 100 | 10 Kontrakte | Die ersten 10 Kontrakte werden hier gefüllt |
Nach der Order steht der Preis bei 101. Die Market Order hat den Markt bewegt.
Market Order
Ein Market Buy arbeitet das Buch ab
Warum nur Market Orders den Preis bewegen
Das Zusammenspiel zeigt ein einfaches Beispiel. Der aktuelle Preis liegt bei 100. Bei 101 wollen Limit Seller 500 Stück verkaufen, bei 99 wollen Limit Buyer 100 Stück kaufen. Solange nur diese Limit Orders im Markt sind, bleibt der Kurs bei 100 stehen, und zwar auf unbestimmte Zeit. Es ist wie bei einem Gebrauchtwagen, für den der Verkäufer 101 will und der Interessent 99 bietet: Solange keiner nachgibt, wechselt das Auto nie den Besitzer.
Erst ein Market Buyer, der 100 Stück kauft, verändert die Situation. Er nimmt die Ware bei den Limit Sellern bei 101. Der Preis steigt auf 101, und bei den Limit Sellern liegen nur noch 400 Stück.
Preisentstehung
Erst die Market Order bewegt den Preis
| Marktteilnehmer | Ergebnis |
|---|---|
| Market Buyer | Ist sicher im Markt und hat den Preis bewegt. Dafür hat er die Differenz bezahlt, also den Spread. Er ist zu einem schlechteren Preis im Markt, aber er ist im Markt. |
| Limit Seller | Wurde zu seinem Wunschpreis von 101 bedient. |
| Limit Buyer | Wollte bei 99 kaufen und hat seinen Preis nicht bekommen. Kommt der Preis nicht zurück, geht er leer aus. |
Market Orders sind aggressiv und bewegen den Markt tatsächlich. Limit Orders sind passiv und haben nur indirekten, aber enormen Einfluss auf den Markt.
Stop Order, Stop Loss und Take Profit
Eine Stop Order wartet auf einen bestimmten Preis. Erst wenn der Markt ihn erreicht, wird aus ihr eine Market Order, die sofort ausgeführt wird. Ein Buy Stop liegt über dem aktuellen Preis und wird ausgelöst, wenn der Preis steigt. Ein Sell Stop liegt unter dem aktuellen Preis und wird ausgelöst, wenn der Preis fällt.
| Order | Lage zum aktuellen Preis | Erwartung |
|---|---|---|
| Buy Stop | Darüber | Der Preis steigt weiter |
| Buy Limit | Darunter | Der Preis fällt hin, dann steigt er |
| Sell Stop | Darunter | Der Preis fällt weiter |
| Sell Limit | Darüber | Der Preis steigt hin, dann fällt er |
Stop und Limit
Wo die Orders liegen und was sie erwarten
Der Stop Loss, die Verlustbegrenzung, ist immer eine Market Order. Wird der Stop erreicht, soll die Position sofort geschlossen werden, unabhängig vom Preis. Ein Stop-Limit wäre als Stop Loss ungeeignet: Läuft der Preis schnell durch, wird das Limit womöglich nicht gefüllt, und die Position bleibt ungeschützt. Der Take Profit, die Gewinnmitnahme, ist dagegen eine Limit Order, die die Position zu einem festgelegten Preis schließt.
Absorption: warum Institutionen über Limits arbeiten
Eine Limit Order kann den Preis nicht bewegen, aber aufhalten. Liegt auf einem Preis genug wartende Menge, laufen selbst viele aggressive Käufe dort ins Leere. Kommen Minute für Minute mehr Market Buys in den Markt und schafft es der Preis trotzdem nicht über eine Marke, nimmt dort ein großer Verkäufer jede Kauforder auf. Diesen Vorgang nennt man Absorption.
Absorption
Viele Käufe, kein neuer Preis
Große Marktteilnehmer arbeiten häufig genau so. Mit einer riesigen Market Order würde sich eine Institution den eigenen Einstieg verschlechtern, weil sie Stufe für Stufe teurer gefüllt wird. Mit Limit Orders lässt sie die anderen zu sich kommen und spart den Spread. Warum große Teilnehmer dafür Liquidität brauchen, erklärt der Beitrag Liquidität verstehen.
Bid und Ask
Jeder Trade braucht zwei Seiten: jemanden, der sofort handeln will, und jemanden, der gewartet hat. Wo die beiden sich treffen, ist entweder der Bid oder der Ask.
Der Ask ist der günstigste Preis, zu dem gerade jemand verkaufen will. Wer sofort kaufen möchte, muss diesen Preis zahlen. Am Ask trifft also der Market Buy auf den Limit Sell.
Der Bid ist der höchste Preis, den gerade jemand zahlen will. Wer sofort verkaufen möchte, muss ihn annehmen. Am Bid trifft der Market Sell auf den Limit Buy.
Zum Merken: Kaufen auf Knopfdruck heißt Ask, verkaufen auf Knopfdruck heißt Bid.
Bid und Ask
Wo aktive und passive Orders sich treffen
Der Spread
Zwischen Bid und Ask liegt fast immer eine kleine Lücke. Diese Lücke ist der Spread. Wer market kauft und sofort market wieder verkauft, liegt direkt um den Spread im Minus. Im ES sind das bei einem Tick Spread 12,50 US-Dollar je Kontrakt, im NQ 5 US-Dollar. Für einzelne Trader wirkt das klein, bei hunderten Kontrakten am Tag ist es ein erheblicher Kostenblock.
In liquiden Phasen bleibt der Spread meist bei einem Tick. Kurz vor wichtigen Nachrichten oder in der Nacht kann er sich weiten. Dann wird die Market Order spürbar teurer. Wie Tick und Tickwert definiert sind, erklärt der Beitrag Der Futures-Kontrakt.
Zusammengefasst
Jeder Preis an der Börse entsteht aus dem Zusammenspiel von Limit Orders und Market Orders. Limit Orders sichern den Preis, aber nicht die Ausführung, und liegen passiv im Orderbuch. Market Orders sichern die Ausführung, aber nicht den Preis, und bewegen den Markt, indem sie Limit Orders verbrauchen. Eine Stop Order wird beim Erreichen ihres Preises zur Market Order, deshalb ist der Stop Loss immer eine Market Order. Große Limit Orders können den Preis aufhalten, das nennt man Absorption. Am Ask trifft ein Market Buy auf einen Limit Sell, am Bid ein Market Sell auf einen Limit Buy, und dazwischen liegt der Spread.
Quellen: CME Group, Kontraktspezifikationen E-mini S&P 500 und E-mini Nasdaq-100 auf cmegroup.com; BECRO Ausbildung, Grundlagen des professionellen Börsenhandels. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken.


