
Finanzprodukte werden auf zwei grundlegend verschiedene Arten gehandelt: über eine Börse oder außerbörslich, im sogenannten OTC-Markt (Over The Counter). Der Unterschied wirkt technisch, entscheidet aber darüber, welche Informationen ein Marktteilnehmer überhaupt zur Verfügung hat. Dieser Beitrag erklärt beide Formen, zeigt, was eine Terminbörse leistet, und stellt die Börsen und Produkte vor, die für den Futures-Handel zählen.
Die Börse
Eine Börse ist ein zentraler Marktplatz, an dem alle Orders an einem Ort zusammenlaufen. Börsengehandelte Produkte liefern dadurch Informationen, die für jeden Marktteilnehmer identisch sind, der dasselbe Produkt an derselben Börse betrachtet: das Volumen, die Reihenfolge der Trades und die Größe jedes einzelnen Trades.
Der OTC-Markt
Ein OTC-Markt ist dezentral organisiert. Er besteht aus einem elektronischen Netzwerk von Banken. Der Broker ist an dieses Netzwerk angeschlossen und stellt die Preise aus dem dortigen Liquiditätspool zur Verfügung.
Daraus ergeben sich zwei Nachteile. Erstens fehlen genaue Informationen über das gehandelte Volumen. Zweitens ist der Preis nicht einheitlich: Nicht jeder Marktteilnehmer sieht dasselbe, und gerade an Extrempunkten kann es zu unterschiedlichen Preisen und Situationen kommen.
Handelsplatz
Zentral oder dezentral
| Merkmal | Börse | OTC-Markt |
|---|---|---|
| Aufbau | Zentral, alle Orders an einem Ort | Dezentral, Netzwerk von Banken |
| Volumen | Vollständig und für alle sichtbar | Keine genauen Informationen |
| Preis | Für alle identisch | Nicht einheitlich, jeder sieht einen Ausschnitt |
| Reihenfolge und Größe der Trades | Für jeden Trade bekannt | Nicht öffentlich |
Nur an der Börse sehen alle Marktteilnehmer dieselben Daten. Genau diese Daten bilden die Grundlage des Orderflow-Tradings.
Der Devisenmarkt als Beispiel
Der Devisenmarkt (Forex oder FX) ist das bekannteste Beispiel für einen OTC-Markt und zugleich der größte Markt der Welt. Er ist ein weltweiter, dezentraler Markt für den Umtausch der Währungen zweier Länder. Hier laufen alle Geschäfte zusammen, die zwischen Nationen zu kommerziellen oder nicht kommerziellen Zwecken entstehen.
Ein deutscher Automobilhersteller, der Bauteile aus Japan importiert, muss Euro in Yen tauschen. Ein Unternehmen, das eine Fabrik in China baut, muss ebenfalls Geld wechseln. Selbst wer als Privatperson online ein Gemälde in den USA kauft, löst über seine Bank einen Umtausch von Euro in US-Dollar aus. Theoretisch hat jede noch so kleine Transaktion Einfluss auf den Markt.
Nach der jüngsten Erhebung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) lag das tägliche Handelsvolumen am Devisenmarkt im April 2025 bei 9,6 Billionen US-Dollar, 28 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Der weit überwiegende Teil entfällt auf Banken und andere Finanzinstitute, Unternehmen und andere nichtfinanzielle Kunden machen nur einen kleinen Teil aus.
Derivate
Ein Derivat ist ein Finanzkontrakt, der von einem Kassageschäft abgeleitet ist und sich auf einen bestimmten Basiswert bezieht. Auch Derivate gibt es in beiden Formen. In Europa sind vor allem CFDs (Contracts for Difference) bekannt, die außerbörslich gehandelt werden. Börsengehandelte Derivate sind zum Beispiel Futures und Optionen.
Was die Terminbörse leistet
Ohne eine zentrale Börse müsste jeder Käufer selbst einen Verkäufer finden, mit ihm Menge, Qualität und Termin aushandeln und darauf vertrauen, dass er am Ende auch liefert oder bezahlt. Die Terminbörse nimmt den Marktteilnehmern genau diese Probleme ab.
| Frage | Ohne Börse | Mit Terminbörse |
|---|---|---|
| Wer ist mein Handelspartner? | Jeder sucht seine Gegenseite selbst | Alle Orders laufen an einem Ort zusammen, dadurch ist fast immer jemand da, der kauft oder verkauft |
| Was genau handle ich? | Jeder Vertrag sieht anders aus | Jeder Kontrakt ist identisch aufgebaut und damit austauschbar |
| Bekomme ich mein Geld? | Fällt die Gegenseite aus, ist das eigene Geld weg | Das Clearinghaus schiebt sich zwischen Käufer und Verkäufer und garantiert beiden Seiten die Erfüllung |
| Wer passt auf? | Niemand kontrolliert den Ablauf | Die Börse setzt Regeln, überwacht den Handel und wird selbst beaufsichtigt, in den USA von der CFTC |
Terminbörse
Das Clearinghaus steht dazwischen
Weil sich das Volumen an einem Ort sammelt, sind die Daten der Börse vollständig. Jede ausgeführte Order taucht dort auf. Wie die wartenden Orders an der CME organisiert sind, erklärt der Beitrag Wie das Orderbuch der CME funktioniert.
Die CME Group und die Eurex
Die CME Group mit Sitz in Chicago ist einer der größten Terminbörsenbetreiber der Welt und der Handelsplatz für die US-Index-Futures ES und NQ. Unter ihrem Dach laufen vier Börsen: CME, CBOT, NYMEX und COMEX. Neben Aktienindizes umfasst die Gruppe Zinsen und Anleihen, Währungen, Energie wie Öl und Gas, Metalle wie Gold sowie Agrarprodukte.
Die Index-Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 laufen über die elektronische Handelsplattform CME Globex. Gehandelt wird von Sonntagabend bis Freitagabend nahezu rund um die Uhr, mit einer kurzen täglichen Pause. Die CME veröffentlicht täglich Volumen und offene Positionen je Kontrakt, und auf cmegroup.com lassen sich für jeden Kontrakt die Spezifikationen nachlesen.
Die europäische Terminbörse Eurex sitzt in Eschborn bei Frankfurt. Hier laufen unter anderem der DAX-Future und Futures auf Bundesanleihen.
Die wichtigsten Produkte
Terminbörsen bieten Kontrakte auf fast alles, was weltweit gehandelt wird. Für Daytrader zählen wenige Produkte mit sehr hohem Volumen, oft auch in einer kleineren Micro-Variante.
| Kürzel | Basiswert | Börse |
|---|---|---|
| ES · MES | S&P 500 | CME |
| NQ · MNQ | Nasdaq 100, technologieorientiert | CME |
| YM · MYM | Dow Jones Industrial Average | CME |
| RTY | Russell 2000, Small Caps | CME |
| CL | Rohöl | CME Group |
| 6E · 6B · 6J · 6A | EUR/USD · GBP/USD · JPY/USD · AUD/USD | CME |
| 6C · 6N · 6S | CAD/USD · NZD/USD · CHF/USD | CME |
| FESX · FSXE | Euro Stoxx 50 | Eurex |
| FDAX · FDXM | DAX | Eurex |
| FGBL | Euro-Bund-Future | Eurex |
Auffällig ist, dass auch Währungen als Futures an der CME gehandelt werden. Wer Devisen über diese Kontrakte handelt, bekommt damit die vollständigen Börsendaten, die der OTC-Markt nicht liefert.
Zusammengefasst
An einer Börse laufen alle Orders an einem Ort zusammen, und jeder Marktteilnehmer sieht dasselbe Volumen, dieselbe Reihenfolge und dieselbe Größe der Trades. Im dezentralen OTC-Markt wie dem Devisenmarkt fehlen diese Informationen, und der Preis ist nicht einheitlich. Die Terminbörse standardisiert die Kontrakte, garantiert über das Clearinghaus die Erfüllung und wird selbst beaufsichtigt. Für den Futures-Handel zählen vor allem die CME Group mit ES, NQ und Co. sowie die Eurex. Vollständige Börsendaten sind die Voraussetzung für jede Orderflow-Analyse.
Quellen: CME Group, Kontraktspezifikationen auf cmegroup.com; Eurex, eurex.com; BIS, Triennial Central Bank Survey 2025; BECRO Ausbildung, Grundlagen des professionellen Börsenhandels. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken.


