ATAS Trading Journal: Trades automatisch erfassen
So verbindest du ATAS mit deinem Trading Journal, damit jeder geschlossene Trade ohne Abtippen erfasst wird und du dich auf die Auswertung konzentrieren kannst.

Wer mit ATAS Futures wie NQ oder ES handelt, schaut sich den Markt meist sehr genau an: Orderflow, Volumen, Footprint. Bei der Nachbereitung sieht es oft anders aus. Trades werden abends aus dem Gedächtnis notiert, Zahlen von Hand übertragen, Screenshots vergessen.
Ein ATAS Trading Journal, das Trades automatisch erfasst, löst genau dieses Problem. In diesem Beitrag erfährst du, welche Wege es gibt, wie du das BECRO-Plugin einrichtest, was dabei übertragen wird und welche Stolperfallen du kennen solltest.
Warum du Trades automatisch erfassen solltest
Ein Journal ist nur so gut wie die Daten, die darin stehen. Wenn du jeden Trade von Hand einträgst, entstehen drei typische Probleme.
Abtippen kostet Zeit und Konzentration
Nach einer intensiven Session im Orderflow ist die Energie oft weg. Einstieg, Ausstieg, Kontraktzahl, Uhrzeit und Ergebnis für jeden einzelnen Trade abzutippen, fühlt sich dann wie Pflichtarbeit an. Genau deshalb wird es irgendwann aufgeschoben. Zusätzlich schleichen sich Tippfehler ein, die später deine Auswertung verfälschen.
Lücken entstehen fast von selbst
An guten Tagen trägst du vielleicht alles ein. An schlechten Tagen, nach einer Verlustserie oder einem impulsiven Trade, fehlt dir die Lust. Das Ergebnis ist ein Journal mit Lücken, und zwar meist an den Stellen, aus denen du am meisten lernen könntest.
Erinnerung verzerrt das Bild
Wer Trades aus dem Gedächtnis rekonstruiert, erinnert sich selektiv. Der Einstieg war „ungefähr da“, der Stop „eigentlich richtig“. Automatisch erfasste Daten sind dagegen neutral. Sie zeigen, was tatsächlich passiert ist, und nicht, wie du es im Nachhinein bewertest.
Wenn du grundsätzlich wissen willst, wie du ein Journal sinnvoll aufbaust, findest du im Beitrag Trading Journal führen die Grundlagen.
Welche Möglichkeiten du mit ATAS hast
Um Trades aus ATAS in ein Journal zu bekommen, gibt es im Kern zwei Wege: den Datei-Import und die direkte Übertragung per Plugin.
Export und XLSX-Import
ATAS kann deine Trades als Datei exportieren. Im BECRO Journal kannst du einen ATAS-XLSX-Export importieren. Auch NinjaTrader-XLSX-Dateien werden unterstützt. CSV-Dateien werden dagegen nicht unterstützt. Zusätzlich kannst du Trades jederzeit manuell anlegen, etwa wenn du nachträglich etwas ergänzen willst.
Der Import ist praktisch, wenn du ältere Trades nachholen willst. Für den Alltag hat er aber einen Nachteil: Du musst selbst daran denken, regelmäßig zu exportieren und hochzuladen. Screenshots vom Moment des Einstiegs bekommst du so auch nicht.
Plugin für die automatische Übertragung
Der bequemere Weg ist das BECRO-Plugin. Es läuft als Indikator direkt in ATAS X und sendet jeden geschlossenen Trade automatisch an dein Journal. Du musst nach der Session nichts mehr exportieren. Auf Wunsch werden auch Screenshots bei Ein- und Ausstieg mitgeschickt.
Für die meisten Trader ist eine Kombination sinnvoll: Das Plugin übernimmt den laufenden Betrieb, der XLSX-Import hilft beim Nachtragen der Historie.
Schritt für Schritt: das BECRO-Plugin einrichten
Die Einrichtung dauert nur wenige Minuten. So gehst du vor.
- Konto anlegen. Erstelle dir zuerst ein Konto für das kostenlose Trading Journal. Es läuft im Browser und ist auf Deutsch.
- Plugin herunterladen. Lade das Plugin herunter. Es handelt sich um die Datei BecroJournalConnector.dll.
- Als Indikator in ATAS X einbinden. Lege das Plugin als Indikator auf einen Chart in ATAS X.
- API-Token eintragen. Trage in den Einstellungen des Indikators deinen persönlichen API-Token ein. Er beginnt immer mit „becro_“.
- „Senden aktiv“ setzen. Setze den Haken bei „Senden aktiv“. Erst dann werden Trades tatsächlich übertragen.
Wichtig: Der Chart, auf dem der Indikator liegt, muss während deiner Session geöffnet bleiben. Schließt du ihn, kann das Plugin nichts senden.
Ab Version 0.6.0 aktualisiert sich das Plugin selbst, und zwar beim nächsten Neustart von ATAS. Du musst neue Versionen also nicht manuell einspielen. Ob das Plugin unter macOS funktioniert, ist nicht bestätigt.
Was übertragen wird und wann
Das Plugin sendet einen Trade, sobald eine Position glattgestellt ist. Solange du noch im Markt bist, passiert nichts. Erst wenn deine Position wieder bei null steht, gilt der Trade als geschlossen und wird automatisch an dein Journal übermittelt.
Teil-Fills
Gerade bei Futures wie NQ oder ES kommt es vor, dass eine Order nicht auf einmal, sondern in mehreren Teil-Fills ausgeführt wird. Damit ein Trade nicht zu früh als abgeschlossen gesendet wird, wartet das Plugin standardmäßig 5 Sekunden auf nachzügliche Teil-Fills. So landet ein Trade als zusammenhängender Datensatz im Journal.
Wenn die Verbindung fehlt
Kann ein Trade nicht gesendet werden, etwa weil die Internetverbindung kurz weg war, geht er nicht verloren. Das Plugin speichert nicht gesendete Trades zwischen und sendet sie beim nächsten Start von ATAS nach.
Mehrere Konten
Handelst du über mehr als ein Konto, kannst du diese im Feld „Zusätzliche Konten“ eintragen. So werden auch Trades von weiteren Konten erfasst.
Screenshots, Sim- und Replay-Konten
Zahlen allein erzählen nur die halbe Geschichte. Gerade im Orderflow-Trading willst du später sehen, wie der Markt im Moment deiner Entscheidung aussah.
Screenshots bei Ein- und Ausstieg
Das Plugin erstellt standardmäßig einen Screenshot beim Einstieg und einen beim Ausstieg. Nachkäufe und Teilausstiege lösen keinen zusätzlichen Screenshot aus, damit dein Journal übersichtlich bleibt.
Den Aufnahmebereich kannst du selbst wählen:
- den Monitor,
- nur den Chart,
- alle Monitore.
Nutzt du mehrere Charts, etwa im 1-, 5- und 15-Minuten-Zeitrahmen, wird je Chart ein eigenes Bild aufgenommen. So siehst du später den Kontext auf mehreren Ebenen. Zusätzlich werden die Screenshots lokal auf deinem Rechner unter Dokumente\BECRO Journal\Screenshots gespeichert.
Sim- und Replay-Konten
Sim- und Replay-Konten werden standardmäßig nicht gesendet. Das ist sinnvoll, damit Übungstrades nicht mit echten Trades vermischt werden. Willst du auch Trainingstrades erfassen, aktivierst du den Schalter „Sim-Konten senden“.
Überlege dir vorher, wie du Sim-Trades später auseinanderhältst. Wenn du sie bewusst als Training dokumentierst, können sie trotzdem wertvoll sein, etwa beim Testen eines neuen Setups im Replay.
Optionale Risikosperre im Plugin
Neben der Übertragung bietet das Plugin eine optionale Risikosperre. Sie befindet sich in der Beta-Phase und ist standardmäßig ausgeschaltet.
Wenn du sie aktivierst, greift sie bei Erreichen deines Tagesverlust-Limits plus einer Toleranz oder bei Erreichen eines Trade-Limits. Dann streicht sie offene Orders und stellt Positionen glatt. Bis Mitternacht (Berliner Zeit) sind danach nur noch Orders möglich, die eine Position verkleinern. Bei 75 % des Limits bekommst du eine Vorwarnung.
Wichtig ist die richtige Einordnung: Die Risikosperre ersetzt keine Grenzen deines Brokers oder deiner Prop-Firm. Sie bietet auch keine Garantie gegen Slippage. Sieh sie als zusätzliches Werkzeug für deine Disziplin, nicht als Sicherheitsnetz.
Typische Stolperfallen
Die meisten Probleme bei der Einrichtung haben einfache Ursachen. Prüfe diese Punkte, wenn Trades nicht im Journal ankommen:
- Chart geschlossen: Der Indikator arbeitet nur, solange der Chart offen ist, auf dem er liegt.
- „Senden aktiv“ fehlt: Ohne diesen Haken wird nichts übertragen, auch wenn der Token korrekt ist.
- Token falsch kopiert: Der API-Token beginnt mit „becro_“. Achte darauf, dass beim Kopieren keine Zeichen fehlen oder Leerzeichen dazukommen.
- Sim-Konto aktiv: Handelst du im Sim oder Replay, werden Trades standardmäßig nicht gesendet. Prüfe den Schalter „Sim-Konten senden“.
- Weiteres Konto nicht eingetragen: Trades von zusätzlichen Konten erscheinen nur, wenn du sie im Feld „Zusätzliche Konten“ hinterlegt hast.
- Position noch offen: Ein Trade wird erst gesendet, wenn die Position vollständig glattgestellt ist.
- CSV statt XLSX: Beim Import werden nur XLSX-Dateien von ATAS oder NinjaTrader unterstützt.
Wenn ein Trade wegen eines Verbindungsproblems fehlt, starte ATAS neu. Zwischengespeicherte Trades werden dann nachgesendet.
Danach: Trades bewerten und auswerten
Die automatische Erfassung ist nur der erste Schritt. Der eigentliche Nutzen entsteht, wenn du deine Trades anschließend regelmäßig durchgehst.
Jeden Trade bewerten
Im BECRO Journal kannst du jeden Trade nach IODA bewerten. So hältst du nicht nur fest, was passiert ist, sondern auch, wie gut du deinen eigenen Prozess umgesetzt hast. Die Screenshots helfen dir dabei, die Situation ehrlich einzuschätzen.
Ergänzend lohnt es sich, Gedanken und Emotionen festzuhalten. Wie du das strukturiert machst, liest du im Beitrag zum Trading Tagebuch.
Zonen abgleichen
Über den Zonen-Abgleich siehst du, ob deine Trades dort stattgefunden haben, wo du sie vorher geplant hattest. Gerade wenn du mit vorbereiteten Zonen arbeitest, zeigt dir das, wie oft du deinem Plan folgst und wie oft du spontan einsteigst.
Kennzahlen auswerten
Je mehr Trades vollständig erfasst sind, desto aussagekräftiger werden deine Kennzahlen. Weil keine Trades fehlen, bekommst du ein realistisches Bild deiner Ergebnisse. Welche Werte wirklich wichtig sind und wie du sie liest, erklärt der Beitrag Kennzahlen im Trading Journal.
Plane dir feste Zeiten für die Auswertung ein, zum Beispiel einmal pro Woche. So wird aus dem Journal ein Werkzeug, mit dem du Muster erkennst und gezielt an deinem Trading arbeitest.
Fazit
Ein ATAS Trading Journal mit automatischer Erfassung nimmt dir die lästige Arbeit ab und sorgt für vollständige, unverzerrte Daten. Das BECRO-Plugin überträgt jeden geschlossenen Trade, berücksichtigt Teil-Fills, sendet bei Verbindungsproblemen nach und liefert auf Wunsch Screenshots von Ein- und Ausstieg.
Die Einrichtung ist überschaubar: Konto anlegen, Indikator auf einen Chart legen, Token eintragen, „Senden aktiv“ setzen. Danach kannst du deine Zeit in die Bewertung und Auswertung stecken statt ins Abtippen. Probiere es mit dem kostenlosen Trading Journal aus.
Hinweis: Der Handel mit Futures birgt hohe Verlustrisiken und ist nicht für jeden geeignet. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.


