Trading Journal führen: Anleitung für Futures-Trader
So hältst du deine Trades in NQ, ES und anderen Futures sauber fest und machst aus deinen Notizen klare Regeln für die nächste Session.

Viele Trader wissen, dass sie ein Trading Journal führen sollten. Die wenigsten tun es konsequent. Meist liegt das nicht an fehlender Motivation, sondern an einem unklaren Ablauf: Was soll man notieren, wann, und was macht man danach mit den Einträgen?
Diese Anleitung gibt dir einen einfachen, wiederholbaren Rahmen. Er funktioniert für Futures wie NQ und ES genauso wie für andere Märkte. Wichtig ist nicht das perfekte Werkzeug, sondern dass du jeden Tag nach demselben Muster arbeitest.
Warum du ein Trading Journal führen solltest
Ein Trading Journal ist mehr als eine Liste von Gewinnen und Verlusten. Die Kontoauszüge deines Brokers zeigen dir, was passiert ist. Das Journal zeigt dir, warum es passiert ist.
Im Futures-Handel geht vieles schnell. Ein NQ-Kontrakt kann sich in wenigen Minuten deutlich bewegen. In solchen Momenten triffst du Entscheidungen unter Druck, und dein Gedächtnis ist danach selten zuverlässig. Wer am Abend versucht, sich an den dritten Trade des Vormittags zu erinnern, rekonstruiert meist eine geschönte Version.
Ein Journal löst dieses Problem. Es hilft dir dabei:
- Muster in deinem Verhalten zu erkennen, die du sonst übersehen würdest
- gute und schlechte Trades nach Qualität zu trennen, nicht nur nach Ergebnis
- deine Disziplin messbar zu machen
- Regeln auf Basis eigener Daten zu formulieren statt auf Basis von Bauchgefühl
Manche nennen es auch Trading Tagebuch. Der Unterschied liegt eher im Schwerpunkt: Ein Tagebuch betont die persönliche Reflexion, ein Journal die strukturierten Daten. Mehr dazu findest du im Beitrag zum Trading Tagebuch. In der Praxis brauchst du beides.
Was du pro Trade festhalten solltest
Jeder Eintrag sollte dieselben Felder haben. Nur so kannst du später vergleichen. Halte die Liste schlank, damit du sie auch an hektischen Tagen ausfüllst.
Die harten Daten
- Instrument: zum Beispiel NQ, MNQ, ES oder MES
- Richtung: Long oder Short
- Einstieg und Ausstieg: Preis und Uhrzeit
- Positionsgröße: Anzahl der Kontrakte
- Stop und Risiko: wo dein Stop lag und wie viel du in Euro, Dollar oder Ticks riskiert hast
- Ergebnis: in Geld und, wenn möglich, als Vielfaches deines Risikos (R)
Das Risiko je Trade ist das wichtigste Feld. Ohne es kannst du deine Trades nicht fair vergleichen. Ein Gewinn von 300 Dollar sagt wenig, wenn du nicht weißt, ob du dafür 100 oder 600 Dollar riskiert hast.
Die weichen Daten
- Grund und Setup: Warum bist du eingestiegen? Welches Setup aus deinem Plan war es?
- Screenshot: ein Bild vom Chart beim Einstieg und beim Ausstieg
- Emotion: ein Wort oder eine kurze Skala, etwa ruhig, ungeduldig, ängstlich, euphorisch
- Regelbefolgung: Hast du deinen Plan eingehalten? Ja, nein oder teilweise
Die Regelbefolgung ist der Kern. Ein Trade, der gegen deine Regeln verstoßen hat und trotzdem Gewinn brachte, ist kein guter Trade. Ein regelkonformer Verlust dagegen ist Teil des Geschäfts. Wenn du diese beiden Fälle sauber trennst, verändert sich dein Blick auf die eigenen Ergebnisse.
Deine Tagesroutine vor und nach der Session
Ein Journal wirkt am besten, wenn es fest in deinen Tag eingebaut ist. Zwei kurze Blöcke reichen.
Vor der Session
Nimm dir zehn bis fünfzehn Minuten vor Handelsbeginn. Notiere:
- wie du dich fühlst und ob du ausgeschlafen bist
- welche Termine oder Wirtschaftsdaten anstehen
- welche Zonen oder Preisbereiche du beobachten willst
- welches Setup du heute handeln würdest und welches nicht
- dein Tageslimit für Verluste und die maximale Anzahl an Trades
Dieser Teil ist deine Vorbereitung. Er zwingt dich, Entscheidungen zu treffen, bevor der Markt dich unter Druck setzt.
Während der Session
Halte dich kurz. Ein Satz pro Trade reicht, etwa „Short an notierter Zone, Stop über Hoch, ruhig“. Die ausführliche Auswertung kommt später.
Nach der Session
Nach Handelsschluss gehst du jeden Trade durch und ergänzst die fehlenden Felder. Dann beantwortest du drei Fragen:
- Habe ich meinen Plan eingehalten?
- Wo habe ich gezögert oder zu früh gehandelt?
- Was nehme ich für morgen mit?
Schreibe die Antworten auf, auch wenn sie kurz sind. Der Wert entsteht durch die Wiederholung über Wochen.
Das Wochen-Review
Einzelne Tage sind zu wenig Daten, um Schlüsse zu ziehen. Im Wochen-Review trittst du einen Schritt zurück und schaust auf das Gesamtbild.
Plane dafür einen festen Termin ein, etwa am Wochenende. Eine Stunde ist ausreichend. Gehe so vor:
- Sortiere alle Trades der Woche nach Setup
- Prüfe für jedes Setup, wie oft du es regelkonform gehandelt hast
- Vergleiche regelkonforme Trades mit Regelverstößen
- Schau dir die Screenshots deiner größten Verluste und deiner besten Trades an
- Achte auf Uhrzeiten: Gibt es Phasen am Tag, in denen du schlechter handelst?
Ergänzend lohnt sich ein Blick auf einige Kennzahlen wie Win-Rate, Profit Factor oder Erwartungswert. Welche davon wirklich aussagekräftig sind und wie du sie liest, erklärt der Beitrag zu den Kennzahlen im Trading Journal.
Wichtig: Das Review ist keine Bewertung deiner Person. Es ist eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wenn du merkst, dass du dich beim Lesen der eigenen Einträge rechtfertigst, ist das bereits ein Hinweis, den du notieren solltest.
Typische Fehler beim Journaling
Die meisten Journale scheitern nicht am Anfang, sondern nach einigen Wochen. Diese Fehler begegnen dir häufig:
- Nur Gewinne dokumentieren: Gerade die schlechten Tage enthalten die wertvollsten Informationen.
- Zu viele Felder: Wenn ein Eintrag zehn Minuten dauert, hörst du nach kurzer Zeit auf.
- Kein Risiko notieren: Ohne Stop und Risiko bleibt jede Auswertung unvollständig.
- Nachträglich schönen: Wer den Einstiegsgrund erst nach dem Ergebnis aufschreibt, passt ihn unbewusst an.
- Kein Review: Ein Journal, das du nie wieder liest, ist nur ein Archiv.
- Ergebnis statt Prozess bewerten: Ein Gewinn nach Regelbruch wird als Erfolg verbucht, ein sauberer Verlust als Fehler.
- Unregelmäßigkeit: Ein paar ausgelassene Tage führen schnell dazu, dass du ganz aufhörst.
Die Lösung ist fast immer dieselbe: weniger Felder, feste Zeiten und ein klarer Fokus auf Regelbefolgung.
Wie du aus dem Journal konkrete Regeln ableitest
Der eigentliche Zweck eines Journals ist es, dein Trading zu verändern. Das gelingt nur, wenn aus Beobachtungen Regeln werden.
Gehe dabei in drei Schritten vor.
1. Muster erkennen. Suche im Wochen- oder Monatsrückblick nach Wiederholungen. Beispiele: Du verlierst häufig im ersten Trade nach einem Verlust. Du handelst in der ersten Minute nach Wirtschaftsdaten schlechter. Du ziehst deinen Stop nach, sobald der Trade gegen dich läuft.
2. Regel formulieren. Mach aus dem Muster eine klare, überprüfbare Anweisung. Nicht „Ich will geduldiger sein“, sondern zum Beispiel:
- Nach einem Verlust-Trade warte ich mindestens 15 Minuten bis zum nächsten Einstieg.
- Ich handle keine Setups in den ersten fünf Minuten nach wichtigen Daten.
- Mein Stop wird nach dem Einstieg nicht weiter vom Einstieg entfernt.
- Ich steige nur in Zonen ein, die ich vor der Session notiert habe.
3. Regel testen. Füge die neue Regel deinem Trading-Plan hinzu und prüfe sie im Journal über mehrere Wochen. Notiere bei jedem Trade, ob du sie eingehalten hast. Erst dann kannst du beurteilen, ob sie hilft.
Führe immer nur eine oder zwei neue Regeln gleichzeitig ein. Sonst weißt du nicht, welche Änderung welche Wirkung hatte. Disziplin entsteht hier nicht durch Willenskraft, sondern durch wenige, klare Regeln, die du messbar befolgst.
Manuell mit Excel oder automatisch?
Für den Einstieg reicht eine einfache Tabelle. Excel oder Google Sheets haben Vorteile: Du bestimmst die Spalten selbst, es kostet nichts, und du lernst durch das Eintippen jeden Trade bewusst kennen.
Die Nachteile zeigen sich mit der Zeit:
- Das manuelle Übertragen kostet Zeit und ist fehleranfällig
- Screenshots musst du separat speichern und zuordnen
- Kennzahlen und Auswertungen musst du selbst bauen
- An stressigen Tagen bleiben Einträge liegen
Ein automatisches Journal übernimmt die harten Daten für dich. Dann bleibt deine Zeit für das, was nur du beurteilen kannst: Setup, Emotion und Regelbefolgung.
Das BECRO Journal als Option
Wenn du nicht bei null anfangen willst, kannst du das kostenlose Trading Journal von BECRO nutzen. Es ist auf Deutsch und läuft im Browser, auch auf dem Handy, und lässt sich dort auf dem Startbildschirm installieren.
Wenn du mit ATAS X handelst, kommen deine Trades über ein Plugin automatisch ins Journal, sobald eine Position glattgestellt ist, inklusive Screenshots bei Ein- und Ausstieg. Wie das im Detail funktioniert, beschreibt der Beitrag zum ATAS Trading Journal. Alternativ importierst du XLSX-Dateien aus ATAS oder NinjaTrader oder legst Trades manuell an.
Viele der oben beschriebenen Schritte sind dort direkt abgebildet:
- ein Daily mit Pre- und Post-Market-Reflexion und Session-Log
- eine IODA-Bewertung je Trade (Identify, Orient, Decide, Act), bei der I, O und D vorbefüllt sind und du das A selbst setzt
- Zonen, wobei ein Trade als „in Zone“ gilt, wenn der Einstieg in einer vorher notierten Zone lag
- Trading-Plan, Limits und Ziele
- Tilt-Erkennung für Trades kurz nach einem Verlust-Trade sowie ein Psychologie-Check-in
- ein Dashboard mit Kalender und Kennzahlen wie Win-Rate, Profit Factor, Payoff-Ratio, Erwartungswert, Drawdown und Serien, dazu eine R-Analyse, wenn du dein Risiko je Trade hinterlegst
- mehrere Konten, etwa Live, Challenge, Funded und Sim
Wochen- und Monatsberichte sowie die Freigabe für einen Mentor sind mit Member+ verfügbar.
Fazit: Kleine Routine, langfristige Wirkung
Ein Trading Journal zu führen ist keine große Aufgabe, wenn du es einfach hältst. Notiere pro Trade dieselben Felder, plane feste Zeiten vor und nach der Session ein und nimm dir einmal pro Woche Zeit für ein ehrliches Review.
Der entscheidende Schritt ist der letzte: aus deinen Einträgen konkrete Regeln abzuleiten und sie zu überprüfen. Ob du dafür eine Tabelle nutzt oder ein kostenloses Trading Journal mit automatischem Import, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass du heute anfängst und dranbleibst.
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Hinweis: Der Handel mit Futures birgt hohe Verlustrisiken und ist nicht für jeden geeignet. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.


